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51. Etappe von Wörth an der Donau nach Deggendorf

51. Etappe von Wörth an der Donau nach Deggendorf

Eine wirklich positive Überraschung

Als ich mich heute in Wörth auf den Weg mache, erwarte ich eine relativ unspektakuläre Etappe an der Donau entlang. Zu Anfang denke ich sogar, es wird noch langweiliger als ich dachte. Ich radele zwischen übermannshohen Maisfeldern und sehe nix außer eben den Maispflanzen. Die Donau muss zwar laut meinem Navi ganz in der Nähe sein, aber ich sehe sie eben wegen der fast erntereifen Maispflanzen überhaupt nicht.

Dann ändert sich das Bild, der Donauradweg verläuft jetzt auf der Dammkrone zur Donau – und was ich da zu sehen bekomme, ist wahrhaft gigantisch. Aus dem Fluss wird langsam ein Strom, der teilweise schon den Rand des Damms erreicht. Die Regenfälle der letzten Wochen sind also auch hier sichtbar.

Dann kommt die erste angenehme Überraschung des Tages: Ein junges Brautpaar macht mit einer offenbar begabten Fotografin ein Fotoshooting auf dem Damm – ich darf nach Rückfrage auch zwei Bilder machen und verschwinde dann schnell, um das Shooting nicht weiter zu stören. Die beiden stehen vor einer herrlichen Kulisse – die man schöner nicht hätte inszenieren können. Wie die Fotografin sagt, ist im Hintergrund ihr Heimatdorf zu sehen.

Die nächste Überraschung wartet quasi hinter der nächsten Kurve. Vier Radler halten am gleichen Punkt, an dem ich für ein Foto der Bogenberger Wallfahrtskirche stehen bleibe. Nach einem kurzen Gespräch und ein paar Fotos erzählen die Kollegen mir, dass diese Kirche etwas besonderes ist. Dorthin pilgern seit einem halben Jahrtausend die Holzkirchner zur Kerzenwallfahrt. Immer am Pfingstwochenende wird eine 16 Meter hohe Kerze über 75 km zur Kirche transportiert. An verschiedenen Stellen balanciert ein Mann die Kerze aufrecht – meist wird sie aber von mehreren geschultert.

Im 15. Jahrhundert gab es auch schon mal eine Borkenkäferplage in den Holzkirchner Wäldern. Damals wurde der Gottesmutter versprochen einen Fichtenstamm mit rotem Wachs zu opfern, wenn die Plage verschwindet. Da dies eingetroffen ist, halten die Holzkirchner Gläubigen ihr Versprechen nun schon über 500 Jahre.

Interessant und natürlich möchte ich so eine Kerze auch mal sehen. Leider verpasse ich die Auffahrt zur Kirche. Wahrscheinlich weil ich in Bogen auf dem Marktplatz so ein leckeres Malaga-Eis gegessen habe.

Und schon kommt die nächste Überraschung. Ich folge erstmals seit fast 4.000 Kilometern den Umleitungsschildern. Offenbar wird am Donauradweg gebaut. Prinzipiell kein Problem, da die Umleitung hervorragend ausgeschildert ist und über ruhige Nebenstrecken führt. Aber was auf der Anzeige meines Navigationssystems passiert, ist unbeschreiblich. In seiner Not hat der Programmierer wohl für solche Fälle vorgesehen, den Radler an den Startpunkt der Tour zurückzuführen, um es dann erneut zu versuchen. Dieses Verhalten ist mir noch von dem defekten Nyon in Erinnerung. Ich befürchte, dass Bosch sich jetzt auch der Cobi-Software angenommen hat und diese damit auch unbrauchbar gemacht hat.

Nun gut – da der Donauradweg ordentlich beschildert ist und im Zweifel der Lauf der Donau auch die Richtung weist, erreiche ich Deggendorf sicher. Und nun kommt sicher die größte Überraschung des Tages. Da ich noch nie zuvor das Städtchen besucht habe und ich eigentlich dachte, eine Station zwischen Regensburg und Passau – was soll da großartiges sein, bin ich jetzt  nahezu sprachlos.

Das Städtchen mit 37.000 Einwohnern, einer Hochschule, sehr vielen schönen alten Gebäuden, strahlt ein derartiges Leben aus, dass es schon ansteckend ist. Die Sonne scheint, die Menschen sind entspannt und sitzen in unzähligen Kneipen, Restaurants, Eisdielen, Cafés und was es sonst noch alles gibt. Sogar die Mitarbeiter des Ordnungsamtes sind akzeptiert und niemand parkt hier falsch.

Kaum zu glauben – Deggendorf wird eine meiner Favoriten auf der Tour. Da ich auch noch völlig zentral in der Stadtmitte logiere, kann der heutige Tag nur noch gut werden.

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