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53. Etappe von Passau nach Simbach

53. Etappe von Passau nach Simbach

Ein völlig verregneter Tag

Gestern Abend gab es noch Schwammerl mit Semmelknödel – wirklich lecker vom Araber zubereitet und aus dem bayrischen Wald gesammelt. Von meinen Tischnachbarn habe ich erfahren, dass die Kneipe früher eine Disko war – aber nix bleibt wie es ist. Auch das Wetter nicht!

Ein abendlicher Stadtrundgang ist daher schon mal ins Wasser gefallen. Im Hotel habe ich mich dann noch kurz mit der Geschichte meiner Schlafstatt für die Nacht befasst. Es war gar nicht die Sissi, die das Bett dem Kini verehrt hat. Es war Sissis Vater, der das Bett zur Verlobung mit Sissis Schwester hat herstellen lassen. Klar, dass der Ludwig da nicht drin schlafen wollte, nachdem die Hochzeit geplatzt war. In dem Riesentrumm verliert man sich ja ganz allein – ich weiß wovon ich spreche.

Nun erzählt man sich ja auch, dass sich der Ludwig eigentlich auch gar nicht für Frauen interessierte und die Verlobung mit der Sophie eher ein Missverständnis war. Sei’s drum, ich hab sehr ordentlich in der geschichtsträchtigen Bettstatt geruht und bin heute Morgen entspannt zum Frühstücksraum spaziert. Das war allerdings recht genial. Im sechsten Stock des Hotels Wilder Mann frühstückt man über den Dächern Passaus – toll.

Leider hat es die Nacht über weiter geregnet und der Ausblick macht mich daher doch ein bisschen unglücklich. Aber man kann wirklich nicht erwarten über 80 Tage auf Tour zu sein und immer im Trockenen zu radeln. Bleibt nur zu hoffen, dass diese Regenphase auch wieder vorbeigeht. Im Erdgeschoss des Hotels sieht man nämlich noch die Markierung des letzten großen Hochwassers, bei dem das gesamte Erdgeschoss überflutet wurde. Und das Wasser der Donau steht schon wieder recht hoch.

Nichtsdestotrotz begleitet mich während des heutigen Radtages der Regen ununterbrochen. Die eigentlich schöne Strecke am Inn entlang wird daher schon ein wenig zur Qual. Gut dass meine Packtaschen wasserdicht sind und der Regenponcho das meiste Wasser abhält. Zusätzliche Qualen bereiten mir die manchmal doch merkwürdigen Radwege – ganz unvermittelt steht der Radler an „Stiegen“, die notdürftig mit einem Holzbrett radeltauglich gemacht wurden. Ein schweres E-Bike mit Gepäck schafft man aber trotz Schiebehilfe nur mit sehr viel Kraft. Ich habe sogar einmal überlegt, das Gepäck abzuladen und Rad und Gepäck nacheinander zu bewegen.
In Reichersberg bietet der Radweg dann noch einen sehr langen Holzsteg, der durch dichtes Schilf führt – schön anzuschauen, aber bei dem Wetter nicht zu genießen. In Obernberg wäre für gewöhnlich eine Weizenbierpause fällig gewesen, aber bei dem Wetter wirkt das Dörfchen völlig verwaist. Ein Haus in Obernberg muss ich allerdings noch fotografieren, da hätte ich bei jedem Wetter angehalten. Keine Ahnung, wem das gehört – es sieht auf jeden Fall sehr interessant aus, könnte bei Hundertwasser in Auftrag gegeben worden sein.

Kurz vor Simbach fahre ich dann auf Flussniveau – hoffentlich hört der Regen bald auf!

Die Aufzeichnung des zweiten Teils ist dem Regen zum Opfer gefallen.

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One thought on “53. Etappe von Passau nach Simbach

  1. Frédéric Chomard

    Man fragt sich, was so ein Grenzradler Tag für Tag beim Drücken auf das Pedal so denkt.
    An dem verfolgten humanitären Ziel klar, und an Frau und Tochter sogar.
    Aber tiefere urmenschliche Gedanken drehen sich wohl für den Jäger und Sammler auch um die lebensnotwendige Zufuhr von Kalorien: was werde ich heute (Feines) essen! Denn Kraft, Motivation und Ansporn in jeglicher Form braucht dieser Mensch um die Berg- und Talfahrt rund um Deutschland für den guten Zweck zu absolvieren. Die Jagd nach einem guten Restaurant gehört auch dazu.
    … und es hört sich ganz schön lecker an, was er alles so speise…! An den Mahlzeiten kann man sogar erkennen, wo er sich gerade in Deutschland befindet.
    (Auszug aus den Etappenberichten) „Nach einem ausgezeichneten Abendessen beim Steiner Wirt… Die absolute Spitze: das Höttl Frühstücksbuffet… Schwammerl mit Semmelknödel… Frisch gepresstem Orangensaft, Prosecco, einer unbeschreiblichen Müsli-Ecke… Während ich dort mein Weißbier genieße… Wie die Pfifferlinge schmecken… Nach einem herausragenden Frühstück… Mit nettem Biergarten und einer guten Küche. Also alles in Ordnung … schöne Müsli-Auswahl mit frischem Obst, Naturjoghurt, Honig… Glücklicherweise finde ich aber noch einen Platz beim Griechen auf dem Altmarkt… Ausgezeichnete Auswahl an Gerichten rund um den Pfifferling… nicht nehmen, ein Eis zu essen… Auf der Terrasse des Ratskellers einkehren und wunderbar essen… Nach einem recht umfangreichen Frühstück… Das Bier war jedenfalls frisch gezapft und hat die obligatorischen sieben Minuten gebraucht… Ich glaube ich habe auf der ganzen Tour keinen derart frischen und leckeren Salat gegessen… Da freu ich mich doch gleich schon auf das Abendessen… Steak au four… Jetzt freue ich mich schon auf den frischen Fisch… kleine Pause mit Weizenbier und Krabbenbrötchen… Fischbrötchen und Räucherfisch in allen Variationen… bei einer schönen Fischplatte… karamellisierte Hühnchenbrust mit dezenter Schärfe und dazu Rosmarin-Kartoffeln… einen fünf Jahre auf dem Fass gereiften Grappa zu meinem Espresso… frisch zubereiteten Spiegeleiern. ein Päuschen mit Buden für Krabbenbrötchen, Currywurst…Schnell noch die Fischplatte nach Art des Hauses bestellen… Krabbensuppe… Rühreier mit Speck…“

    Da sage ich nur prima, er denkt fast wie ein Franzose! Ein Saarländer ist halt ein halber Franzose…
    Dem Genießer sei die kleine Sünde verziehen, denn er tut das alles für eine bessere Welt.
    Viel Kraft und auch Freude wünschen Frédéric (der Franzose) & Sabine (die Deutsche).
    Und nicht vergessen: Der Weg ist auch das Ziel!

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