Grenzradeln.de
Close

40. Etappe von Cottbus nach Bad Muskau

40. Etappe von Cottbus nach Bad Muskau

Ein erlebnisreicher Tag

Gestern Abend wollte ich dann endlich mal meine Pizza essen, auf die ich mich gefühlt schon seit zwei Wochen freue. Was soll ich sagen – auch in Cottbus waren alle Italiener, die ich angesteuert habe, entweder ausgebucht oder geschlossen. Also wieder nix mit der italienischen Nationalspeise. Glücklicherweise finde ich aber noch einen Platz beim Griechen auf dem Altmarkt. Das hat auch lecker geschmeckt und obendrein gab es noch ein gutes Gespräch mit dem Griechen, der wohl im Alter von 4 Monaten aus der Türkei nach Deutschland gekommen ist und Ali genannt wird.

Auf dem Heimweg habe ich dann noch die blaue Stunde genutzt und ein paar schöne Fotos von Cottbus geschossen. Natürlich alles ohne Stativ und mit dem Smartphone – aber die Qualität ist eigentlich ausreichend. Nach dem heutigen Etappenstart war dann auch gleich schon ein Grund anzuhalten. Ganz zufällig komme ich am ehemaligen Cottbuser Zuchthaus vorbei. Heute ist es eine Gedenkstätte für die vielen politischen Gefangenen, die hier von Hitler und seinen Schergen genauso eingesperrt wurden wie von den Helfern des DDR Regimes – quasi in guter Tradition. Wenn man durch die Schleuse fährt – auch mit dem Fahrrad – überkommt einen schon ein beklemmendes Gefühl. Der Anblick der Stacheldrahtrollen und der vergitterten Fenster lässt erahnen, welches Leid den aufrechten Menschen hier zugefügt wurde – schlimm.

Also schnell weiter und diesen schrecklichen Ort weiter hinter sich lassen. Aber da kommt schon das nächste Bauwerk, das die Schrecken des Krieges erkennen lässt. Ein Sicherungsposten für die Eisenbahnbrücke mit Schießscharten in alle Richtungen. Da denke ich mir doch, wie gut, dass wir schon so lange Frieden haben und hoffe, dass das auch noch lange so bleiben wird.

Vorbei geht es an der Talsperre Spremberg und einem großen See. Hier stehen viele Datschen im Wald, teilweise in desolatem Zustand. Andere wiederum sind kleine Villen. Eins haben sie aber alle gemein – einen gepflegten Rasen. Rasenpflege ist hier ein Hobby – du fährst mit dem Rad durch absolute Einsamkeit und Stille. Dann hörst du sie – die Motormäher und -sensen, die Freischneider und Heckenscheren – möglichst auch mit Zweitaktmotor. So ganz kann man sich vom Zweitakter und dem tollen Geruch nach 1:50 Gemisch nicht trennen.

Und wieder die endlosen Kiefernwälder. Die Bäume stehen wie die Soldaten in Reih und Glied, kein Unterholz – also auch kaum Tiere zu sehen. Dafür aber eine akkurat asphaltierte Fahrradstraße. Ja, so steht wirklich dran – Fahrradstraße, für motorbetriebene Fahrzeuge verboten. Anlieger frei – Anlieger ist ja fast jeder.

Und dann Hammer und Sichel – der Kommunismus lebt auf dem Friedhof weiter. Sicher wurden dort die gefallenen sowjetischen Soldaten beerdigt. Ich habe es aber nicht überprüft – fand die Symbolik nur so aus der Zeit gefallen.

Nun komme ich wieder zurück an die Neiße. Da steht eine Rinder-Familie und schaut mich treu an. Ich schwöre – heute gibt es garantiert kein Fleisch, also wieder keine Pizza. Ich habe im Hotelrestaurant aber schon gesehen, dass eine ausgezeichnete Auswahl an Gerichten rund um den Pfifferling angeboten wird – und da ist auch was Vegetarisches dabei.

Nach einer wirklich schönen und abwechslungsreichen Strecke (auch mit ein paar Höhenmetern durch die Endmoränen verursacht) komme ich in Bad Muskau an. Natürlich sehe ich gleich das Häuschen von dem Eisfürsten. Nun – stimmt nicht so ganz – als es ihm auf dem Land fad wurde, hat er die Hütte verkauft und sich was Neues in Cottbus bauen lassen. Also war das gar nicht mehr seins.

Ich lasse es mir trotzdem nicht nehmen im Schlosscafé auf dem Balkon im zweiten Stock ein Eis zu essen, wenngleich es nicht die berühmte Schnitte war. Jedenfalls hat der Fürst es hier schön gehabt – bisschen groß für meinen Geschmack, aber er musste ja auch noch Personal unterbringen. Schafft man ja gar nicht, die Hütte alleine zu putzen.

Kinder hatte er auch keine – also hat er zu groß gebaut. Hinzu kommt, dass er meist nicht zuhause war – er war ein Weltreisender und ein Freund hat sich solange um sein Anwesen gekümmert. Also – von allem zu viel ist keine Erfindung unserer Zeit.

Ähnliche Beiträge