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Weltkulturerbe Völklinger Hütte startet

Weltkulturerbe Völklinger Hütte startet

Heute wird das Fahrrad gar nicht gebraucht. In meiner Heimatstadt Völklingen öffnet das Weltkulturerbe Völklinger Hütte seine Pforten mit einer spektakulären Lichtinstallation.

Weltkulturerbe Völklinger Hütte bei Nacht II
Weltkulturerbe Völklinger Hütte,
fotografiert von Jürgen Bennoit

Gute Beobachter haben schon gesehen, dass die Beleuchtung in den unterschiedlichsten Farbvariationen erstrahlen kann. Dies lässt auf schöne Events an lauschigen Sommerabenden hoffen. Vielleicht hat der neue Direktor Ralf Beil sich ja ein Beispiel an der Illumination des „Grand Place“ in Brüssel genommen und veranstaltet künftig Lichtshows zu guter Musik.

Apropos Völklinger Hütte: Zu Carl Röchling und Kaiser Wilhelm weiß Hendrik Kersten (der Chefmythenjäger von Völklingen und Historiker beim WKE Völklingen Hütte) eine schöne Geschichte zu erzählen:

Der Kaiser kommt…

Um es vorwegzunehmen, seine kaiserliche Majestät Wilhelm II. von Gottes Gnaden war nie in Völklingen. Tatsächlich war er kaum einmal im heutigen Saarland unterwegs. Der 1904 sehnsüchtig erwartete Besuch in der Doppelstadt Saarbrücken – St. Johann währte zur Überraschung der geladenen Honoratioren gerade einmal 20 Minuten. Für einen Besuch beim frischgebackenen Freiherrn von Stumm auf Schloß Halberg, einige Jahre zuvor, hatte der Kaiser immerhin noch einige Tage eingeplant. Hatte Seine Majestät vielleicht ein kleines Saarland Trauma?
Carl Röchling
Carl Röchling, dargestellt von Klaus Udenhorst, fotografiert von Horst Schillinger

Möglich, denn 1894 rumpelte der Hofzug unangemeldet auf der Eisenbahnlinie entlang der Saar und Kaiser Wilhelm gefiel es, an dem nagelneuen, repräsentativen Bahnhofsgebäude im unbekannten Hüttendorf Völklingen einen Halt einzulegen. So begab es sich, dass der Kaiser und ein völlig unvorbereiteter Bahnhofsvorsteher sich gleichermaßen perplex auf dem Bahnsteig gegenübersahen.

Kein Bürgermeister, kein Hüttenwerksbesitzer, keine Jungfrauen mit Blumenfüllhörnern geschweige denn die obligate Werkskapelle… Peinlich! So peinlich, dass Carl Röchling in seinem, im gleichen Jahr stattfindenden „Geschäftsjubiläum“ mit seinen Arbeitern und Angestellten zwar die größte jemals
stattgefundene Party Völklingens feierte, sich aber zugleich zerknirscht jener unseligen Szene erinnerte. Die Zeitungen druckten Carls wortreiche Entschuldung postwendend ab, aber ob es ein Exemplar tatsächlich bis Berlin geschafft hat, bleibt unbekannt. Carl Röchling wurde Jahre später zwar geheimer Kommerzienrat aber nie geadelt.
Hendrik Kersten

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