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15. Etappe: Cuxhaven – Stade

15. Etappe: Cuxhaven – Stade

Wenn Du denkst es geht nicht mehr, kommt irgendwo ein Lichtlein her

Über zwei Wochen bin ich nun unterwegs, ohne Regen, ohne technische Probleme, ohne Sturz – also alles optimal. Mit meinem Fauxpas gestern hat sich die Situation grundlegend geändert. Kaum ist das Nyon undicht, werde ich auch schon gegen 4.30 in der Früh von einem kräftigen Gewitter geweckt. Jetzt, wo ich den Regen am wenigsten gebrauchen kann, schüttet es wie aus Eimern.

Hausteller mit vier Fischsorten

Aber von Anfang an: Nachdem ich gestern mein Zimmer im Havenhostel zugeteilt bekommen habe, ist mir der Restaurant-Tipp aus Wolfgangs Kommentar wieder eingefallen. Der Portugiese am Fischmarkt – na wenn das nicht passt, heute spielt schließlich Portugal gegen Deutschland. Also nix wie hin und den letzten nicht reservierten Platz gesichert. Das Spiel wird über Beamer übertragen, Kommentatoren sind leise gestellt und wohl in portugiesischer Sprache.

Schnell noch die Fischplatte nach Art des Hauses bestellen, bevor die portugiesische Mannschaft in Führung geht. Die Fischplatte ist super und mehr als reichhaltig. Hätte mir die Krabbensuppe vorher sparen sollen. Und weil der offene Weiße so prima schmeckt und altes deutsches Liedgut auffordert, die Sorgen in ein Gläschen Wein zu schütten, trinke ich gleich mal drei von diesen erwachsenen Gläschen.

Mittlerweile ist es ruhig im Lokal geworden, kein Wunder bei dem Spielstand. Immerhin schießen die Portugiesen gegen Ende noch ein Ehrentor und es geht 4:2 für Deutschland aus. Der Wein hat gewirkt, es wird schon irgendwie weiter gehen. Also heim ins Hostel und ausschlafen, morgen sind es gut 80 km.

Nach dem Regen ist die Luft nicht wirklich abgekühlt. Es ist eher drückend, also Zeit aus der Stadt zu verschwinden. Damit ein plötzlich einsetzender Regen die Steuerung nicht völlig zerstört, habe ich einen Gummihandschuh drüber gestülpt. Das hilft auf jeden Fall gegen eindringende Nässe. Navigieren kann ich mit dem Handy und alles Weitere wird sich finden.

Bei einer kurzen Pause finde ich bei Facebook nun doch jede Menge hilfreiche Antworten auf meine gestern gestellte Frage. Von einer Adresse, die wahrscheinlich das richtige Glas besorgen kann, über den tollen Tipp, es bei einem Fingernagelstudio zu versuchen (die können tatsächlich versiegeln) bis zu einem netten Menschen, der mir ein Austauschgerät zukommen lassen will, ist alles dabei. Wunderbar – es geht also weiter. Heute morgen hatte ich da kurz meine Zweifel.

Schwebefähre von 1909

Und als hätte sich nicht alles schon ganz prima gefügt, nein – mittlerweile scheint auch die Sonne wieder. Ich fahre mit einer der letzten Schwebefähren (weltweit gibt es nur noch acht davon) aus dem Jahre 1909 und bin wirklich begeistert. Von der Ingenieurleistung und dem Enthusiasmus, mit dem der „Steuermann“ über seine Schwebefähre spricht.

Jetzt wird kurz vor Stade die Strecke schwieriger. Viel Gegenwind und tatsächlich Hügel – mit denen habe ich so hoch im Norden nicht mehr gerechnet. Über durchweichte Waldwege mit riesigen Pfützen kämpfe ich mich ans Ziel.

Zuvor überlege ich noch, ob ich nicht doch besser noch einen Umweg fahren soll: Ich verlasse das Neuland und bin gleich an der Himmelspforte. Will ich das jetzt schon?

Die traumhaft schöne Stadt Stade, wie aus dem Puppenhaus. Ich wohne in einem netten kleinen Hotel direkt am Fischmarkt. Das Haus ist 300 Jahre alt und natürlich denkmalgeschützt. Schau ich aus dem Fenster, sehe ich das rege Treiben auf dem Markt. Daher muss ich an dieser Stelle meinen Bericht beenden.

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